Aufräum-Challenge, Teil #1: Aufräumen ≠ Ordnung

Aufräum-Challenge Teil 1: Aufräumen ist nicht dasselbe wie Ordnung halten

Weshalb Aufräumen nicht hilft und wie Du trotzdem mehr Ordnung bekommst – die Aufräum-Challenge für ADHSler.

Sei ehrlich – sieht es bei Dir auch aus, als hätte gerade eine Bombe eingeschlagen?

Falls ja, kann ich Dich trösten: Du bist nicht alleine. Ordnung halten ist schon für Menschen ohne ADHS nicht immer leicht, aber mit ADHS ist es noch einmal deutlich schwerer.

Die gute Nachricht: es ist trotzdem möglich, das Chaos zu bändigen. Du wirst vielleicht nicht dauerhaft eine Wohnung haben, in der jede Ecke wie aus dem Wohnkatalog aussieht. Aber ich will Dir helfen, langfristig mehr Ordnung zu haben und Dich dadurch besser zu fühlen.

Diese Aufgabe meistern wir aber nicht mit einem Fingerschnippen, weshalb dies nur der erste Teil dieser Aufräum-Challenge ist.

Wieso herrscht bei mir immer Chaos?

Aufräumen ist auch für genug Menschen ohne ADHS eine Herausforderung. Viele Faktoren spielen eine Rolle, wie gut es mit der Ordnung läuft: (kleine) Kinder, Haustiere, vorhandener Platz, verfügbare Zeit und Geld sind nur einige davon.

ADHS fügt dem aber gleich noch ein paar weitere Herausforderungen hinzu, die es zusätzlich erschweren, Ordnung zu halten:

  • Vergesslichkeit: Du räumst die Sache gleich weg, sobald Du… und schon ist es vergessen
  • Tausend verschiedene Projekte: Du springst zwischen zu vielen halbfertigen Dingen hin und her, die überall herumliegen
  • Überforderung: Egal, wohin Du auch schaust – überall stapelt sich die Unordnung. Du weißt nicht, wo Du anfangen sollst, und lässt es deshalb gleich sein
  • ADHS-Paralyse: Du willst aufräumen, Du hast Zeit zum Aufräumen – aber Du sitzt wie gelähmt auf dem Sofa, weil es einfach nicht geht
  • Objektpermanenz: Aus den Augen, aus dem Sinn – sobald etwas weggeräumt ist, vergisst Du es. Wichtiges muss deshalb gut sichtbar liegen bleiben.

Kein Wunder, dass es bei uns oft genug aussieht wie bei Hempels unterm Sofa, nicht wahr? Ich war da lange keine Ausnahme. Seit meiner eigenen ADHS-Diagnose ist es aber kontinuierlich besser geworden.

Aber wollen wir einfach so hinnehmen, dass wir im Dauerchaos leben? Absolut nicht! Es ist vielleicht nicht schnell getan, aber es ist möglich. Ich habe zwei Jahre gebraucht, Ordnungssysteme zu entwickeln, die für mich funktionieren, um Stück für Stück mehr Ordnung im Haus zu haben. Damit Du es schneller schaffst, gibt es diese Aufräum-Challenge.

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Aufräumen ≠ Ordnung

Sobald Du genug Energie hast, einmal gründlich aufzuräumen, wird schon alles besser werden?

Wir wissen beide, dass es längst nicht so einfach ist. Egal, wie sehr Du Dir vornimmst, dass es dieses Mal ordentlich bleibt – kurz, nachdem Du als putzender Wirbelwind durchs Haus gewütet bist und alles wie in einem Instagram Feed aussieht, herrscht wieder das übliche Chaos.

Verstehe mich nicht falsch, Aufräumen ist wichtig. Aber es ist nur die halbe Miete. Wenn Du Dich nur aufs Aufräumen konzentrierst, bleibt die ordentliche Wohnung auf ewig eine Sisyphus Aufgabe. Was wir aber wollen, ist nicht (nur) eine aufgeräumte Wohnung, sondern langfristig mehr Ordnung und Struktur.

Weshalb aufräumen wie Diät halten ist

Aufräumen und Ordnung sind wie Diät und Ernährungsumstellung. Durch eine Diät nimmst Du ab und erreichst Dein Wunschgewicht, ebenso wie Du durch Aufräumen Ordnung schaffst und die Wohnung vorzeigbar für die Schwiegereltern machst.

Wenn Du aber nichts an der Lebensweise änderst, die diesen Zustand erst herbeigeführt hat, wirst Du immer wieder mit zu vielen Pfunden auf den Hüften bzw. den Chaosbergen in jeder Ecke enden.

Langfristig Ordnung bzw. das Gewicht halten kannst Du also nur, wenn Du grundlegende Dinge änderst. Das bedeutet Ordnungssysteme, die für Dich funktionieren, bzw. eine Ernährungsumstellung, mit der Du auch dauerhaft Dein Wunschgewicht hältst.

Damit so eine Umstellung funktioniert und Dir nicht schnell auf die Nerven geht, muss sie zu Dir passen. Denn weder beim Ordnung halten noch bei der Ernährung würde es langfristig gut gehen, wenn Du Dich quälst.

Deshalb ist unser oberstes Ziel, ein System zu finden, das zu Dir passt. Dafür steht Dir eine riesige Auswahl an Strategien, Hilfsmitteln und Tricks zur Verfügung, aus denen Du die auswählst, die für Dich funktionieren.

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Aufräum-Challenge: Finde Dein System

Was im ersten Augenblick entmutigend klingt, kann gleichzeitig ziemlich spannend und abwechslungsreich sein.

Sicher wäre es einfacher, wenn es das eine Ordnungssystem gäbe, das für jeden ADHSler funktioniert. Aber das wäre auch ziemlich langweilig, und mit Langeweile stehen wir bekanntermaßen auf dem Kriegsfuß.

Damit Du langfristig mehr Ordnung und Struktur in Deinem Umfeld hast, brauchst Du ein maßgefertigtes Ordnungssystem. Es darf nicht starr sein, sondern muss sich flexibel an Dein Leben anpassen und ändern können.

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Das richtige Mindset zur Aufräum-Challenge

Wenn ich vom richtigen Mindset spreche, meine ich nicht, dass Du Dich mental in eine Marie Kondo verwandeln sollst. Sondern, dass zum Leben mit ADHS Geduld und Akzeptanz für Dich und Deine Eigenschaften gehören.

Das heißt nicht, dass Du die Hände in den Schoß legst, weil Du eh nichts ändern kannst. Geduld und Akzeptanz bedeuten, dass Du Dich nicht mit neurotypischen Menschen vergleichst, sondern Deinen eigenen Weg gehst. Der ist vielleicht ein bisschen verrückt, aber dafür passt er genau zu Dir.

Deshalb möchte ich Dir diese Sätze fürs richtige Mindset mitgeben:

Der Zustand Deiner Wohnung sagt nichts über Deinen Wert als Mensch aus

Dieser Satz braucht keine weitere Erklärung, oder? Trotzdem kann ich ihn nur dick unterstreichen und hervorheben: Es ist egal, wie chaotisch Deine Wohnung ist – Du bist trotzdem immer ein großartiger, wertvoller Mensch!

Das Ziel ist wichtiger als der Weg

Ich weiß, eigentlich heißt es immer, der Weg ist auch das Ziel. Bei ADHS ist es aber genau andersherum: Es kommt darauf an, dass wir das Ziel erreichen, nicht wie. Du kannst Deine Steuererklärung nur machen, wenn Du einen Einhorn-Onesie trägst und so laut Rammstein hörst, dass die Wände wackeln? Go for it! Hauptsache, die Steuererklärung ist gemacht, nicht wahr?

Du bist kein Clown

Das heißt, dass es nicht Dein Job ist, andere glücklich zu machen. Es gibt genug Bereiche im Leben, in dem Du anderen folgen musst. Nicht bei Deinen eigenen Ordnungssystemen! Es geht schließlich darum, dass Du Dich bei Dir zu Hause wohlfühlst. Nicht darum, dass andere Dir auf die Schulter klopfen, weil Du „richtig“ aufräumst.

Alles, was wert ist gemacht zu werden, ist es wert schlecht gemacht zu werden

Ich muss zugeben, anfangs bin ich über diesen Satz gestolpert. Weshalb sollte ich etwas schlecht machen, wenn es mir wichtig ist?

Die Antwort ist tatsächlich erschreckend logisch: Weil es besser ist, ein bisschen zu machen, als gar nichts. Du hast keine Energie, zu staubsaugen und zu wischen? Dann fege nur einmal durch. Du schaffst es nicht, Dir die Zähne zu putzen? Dann gurgle mit Mundwasser.

Natürlich ist es besser, richtig zu saugen und zu wischen bzw. Dir die Zähne zu putzen. Aber wenn die Kraft dafür nicht reicht? Dann sind fegen und Mundwasser besser als gar nichts.

1% ist mehr als 0%

Sehr ähnlich zum vorigen Punkt. Wir wollen alle gerne das große Ziel erreichen und die 100% vollkriegen. Ist absehbar, dass wir das nicht schaffen, hören wir oft mittendrin auf oder fangen gar nicht erst an.

Aber weißt Du was? Ein kleiner Schritt Richtung Ziel ist verdammt viel! Wenn Du überwältigt davon bist, die Spülmaschine einzuräumen, räume einfach nur eine Tasse ein. Und dann geh wieder – das ist in Ordnung!

Vielleicht packt es Dich, auch noch den Rest einzuräumen. Vielleicht nicht. Erlaube Dir, Dich darüber zu freuen, dass Du eine Tasse eingeräumt hast, also 1% geschafft hast.

Es gibt keine Regeln

„So macht man das nicht“ und „Erwachsene machen das anders“ kennen wir zur Genüge.

Aber wer sagt eigentlich, wie man als „richtiger Erwachsener“ etwas zu tun hat? Es wird keine Hausdurchsuchung durchgeführt, wenn Du Deine Steuererklärung im glitzernden Einhorn-Onesie machst. Oder wenn Du zum Frühstück Steak isst und abends Cornflakes. Du musst Socken nicht zusammenlegen – kaufe Dir 20 Paar identische Socken und wirf sie nach dem Waschen einfach einzeln in die Sockenschublade. Zack, Du hast Arbeit gespart und erwischst garantiert immer zwei Socken, die zusammenpassen.

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So geht’s weiter

Im nächsten Teil dieser Aufräum-Challenge geht’s auch schon direkt los, das richtige Ordnungssystem für Dich zu finden.

Was ist Dein größter Struggle beim Ordnung halten? Ich bin neugierig – verrate es mir in den Kommentaren!

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