ADHS bei Frauen bedeutet oftmals, dass die Stärke der ADHS-Symptome sich im Verlauf des Zyklus ändert. Schuld sind die Hormone.
Der Zusammenhang zwischen Hormonschwankungen, der Stärke der Symptome und sogar der Wirksamkeit von Medikamenten ist nachgewiesen, aber noch steckt die Forschung (leider) in den Kinderschuhen. (Studie 1, Studie 2)
Menschen mit ADHS und Autismus leiden anscheinend auch häufiger unter PMS oder sogar PMDS. Auf diesen Zusammenhang gibt es bisher allerdings nur Hinweise, aber noch keine exakten, belastbaren Zahlen.
Mit den Wechseljahren kommt die nächste sehr große Umstellung. Das langanhaltende Hormonchaos ist bereits für Frauen ohne ADHS eine große Herausforderung, kann aber für ADHSler eine ungleich größere Belastung darstellen.
Das heißt nicht, dass zwangsläufig jede Person im Verlauf ihrer Menstruation oder ihr Menopause wahrnehmbare Veränderungen erlebt. Wenn Du aber das Gefühl hast, dass zum Beispiel Dein Medikament nicht richtig wirkt, obwohl Du eigentlich richtig eingestellt bist, könnte die Ursache in Deinen Hormonen liegen.
Inhalt
- Hormonschwankungen im Zyklus
- Medikamenten-Dosierung an den Zyklus anpassen
- ADHS bei Frauen: die Wechseljahren
- PMS und PMDS
ADHS bei Frauen: der Zyklus
Die Hormone Östrogen und Progesteron haben bei vielen einen großen Einfluss auf die Stärke der ADHS-Symptome. Da sie im Verlauf des Zyklus schwanken, ändern sich auch die Symptome. Diese Änderungen können so groß sein, dass zeitweise die Wirkung von ADHS-Medikamenten nachlässt.
Ein hoher Östrogenspiegel hebt bei vielen die Stimmung. Einige ADHS-Symptome schwächen sich ab, während Du parallel das Gefühl hast, wirklich alles schaffen zu können.
Progesteron hingegen verstärkt viele ADHS-Beschwerden. Gleichzeitig kann dieses Hormon die Wirksamkeit von Stimulantien reduzieren, sodass Medikamente wie Ritalin oder Elvanse nicht mehr so gut wirken.

Im Verlauf des Zyklus fällt der Östrogenspiegel gleich zweimal ab: einmal nach dem Eisprung und dann noch einmal am Zyklusende vor Deiner Periode. Gleichzeitig steigt der Progesteronspiegel in der zweiten Zyklushälfte.
Die Woche nach der Periode ist deshalb der ideale Zeitpunkt, komplexe oder große Vorhaben anzugehen. In der zweiten Zyklushälfte und insbesondere in der Woche vor Deiner Periode solltest Du hingegen die Dinge eher ruhig angehen und viel Rücksicht auf Dich nehmen.
Medikamenten-Dosierung an den Zyklus anpassen
Einige Studien kommen zu dem Schluss, dass nicht nur die Stärke der ADHS-Symptome durch den Zyklus hindurch schwanken. Auch die Wirksamkeit von ADHS-Medikamenten aus der Gruppe der Stimulantien ist von den Hormonschwankungen betroffen.
Östrogen erhöhte die Sensibilität im Gehirn für Dopamin und Noradrenalin, wodurch auch ADHS-Medikamente stärker wirken. Progesteron hingegen reduziert oft die Wirksamkeit von Stimulantien, da es unter anderem die Dopaminaktivität dämpft. Das kann so extreme Formen annehmen, dass Betroffene den Eindruck gewinnen, ihre Medikamente würden gar nicht mehr wirken.
Dies ist gerade während der Eindosierung wichtig, wenn Du und Dein Arzt noch die richtige Dosierung für Dich finden müssen. Um Dir gerade in dieser Phase zu helfen, habe ich ein Medikamententagebuch gestaltet, in dem Du sowohl Deinen Zyklus, Deine Medikamente mit ihrer Dosierung und die Stärke der ADHS-Symptome tracken kannst. Dieser Überblick hilft Dir und Deinem Arzt, schneller die optimale Dosierung für Dich zu finden.
In dieser Studie von 2023 wurde bei einer (zugegeben sehr kleinen) Testgruppe in der Woche vor ihrer Periode die Dosierung ihrer ADHS-Medikamente erhöht. Das Ergebnis war durch die Bank weg positiv: Alle 9 Frauen berichteten, dass ihre ADHS-Symptome sich deutlich reduziert haben, ohne unter Nebenwirkungen zu leiden.
Achtung: Sprich jede Änderung Deiner Dosierung immer zuerst mit Deinem Arzt ab, statt selbst zu experimentieren. Das gilt insbesondere, wenn Du noch weitere Medikamente benötigst; aber auch, wenn Du nur Stimulantien nimmst.
ADHS bei Frauen: die Wechseljahre
Die Menopause ist für Frauen eine sehr anstrengende Zeit, in welcher der eigene Körper einen zu sabotieren scheint. Mit ADHS wird dies noch einmal deutlich intensiver, denn zur (Peri)Menopause gehört eine Achterbahnfahrt von Östrogen und Progesteron – den beiden Hormonen, die Deine ADHS-Symptome so stark beeinflussen.
Der Östrogenspiegel sinkt während der Perimenopause, wodurch die Aktivität von Dopamin und Serotonin im Gehirn sinkt. Das führt dazu, dass zusätzlich zum Brainfog, dem Emotionschaos und der Vergesslichkeit, die damit ohnehin einhergehen, auch Deine ADHS-Symptome an Stärke zunehmen.
Gleichzeitig schwankt der Progesteronspiegel. Das kann nicht nur Auswirkungen auf die Wirksamkeit Deiner ADHS-Medikamente haben und Deine ADHS-Symptome verstärken. Dies wirkt sich auch auf Deinen Schlaf aus und verschlimmert die Energielosigkeit und Zerstreutheit.
Besprich mit Deiner Frauenärztin und Deinem Psychiater, welche Behandlung für Dich am besten geeignet ist. Eine Hormonersatztherapie kann helfen, die durch die Hormonschwankungen verursachten Symptome abzumildern. Gleichzeitig kann auch die Anpassung Deiner ADHS-Medikamente ein wertvoller Baustein sein, möglichst gut durch diese Zeit zu kommen.
PMS und PMDS
Es gibt keine exakten Zahlen, aber zumindest deutliche Hinweise, dass mit ADHS und Autismus auch das Risiko steigt, unter PMS oder sogar PMDS zu leiden.
Häufig wird diese Studie von 2021 herangezogen, die sehr deutliche Zahlen liefert. Sie ist allerdings mit etwas Vorsichtig zu genießen, da sie auf retrospektiven (zurückblickenden) Aussagen von Frauen beruht. Da Erinnerungen naturgemäß nicht so exakt sind wie aktuelle Erlebnisse, ist unklar, wie exakt die Angaben in der Studie sind. Gleichzeitig fehlte in der Studie eine Kontrollgruppe ohne ADHS, sodass die Ergebnisse der Studie mit den generellen Zahlen der Bevölkerung verglichen werden mussten.
Nichtsdestotrotz: Die Ergebnisse deuten sehr klar darauf hin, dass ADHS das Risiko erhöht, unter PMS oder PMDS zu leiden.
Während PMS relativ bekannt ist, wissen nur wenige Menschen von PMDS. Betroffene glauben oft jahrelang, dass ihre Beschwerden normal sind und das Problem bei ihnen selbst liegt. Eine besonders große Herausforderung ist, dass es keinen medizinischen Test gibt, um PMDS nachzuweisen. Die Hormonlevel befinden sich meist im Normalbereich, während die Betroffenen einfach empfindlich auf die zyklusbedingten Schwankungen reagieren.
Der wichtigste Baustein für eine Diagnose ist, dass Du über mehrere Zyklen hinweg Deine Symptome trackst. Da die Symptome auch bei Depressionen oder ADHS auftreten, ist es für Deinen Arzt wichtig zu sehen, wann sie bei Dir auftreten. Betreffe sie Dich zum Beispiel immer in der zweiten Zyklushälfte, ist dies ein deutlicher Hinweis auf PMDS.
Um Dir zu helfen, Deinen Zyklus, Deine PMDS-Symptome und Deine ADHS zu tracken, habe ich einen Zykluskalender entworfen. Er hilft Dir, die Zusammenhänge zwischen Deinem Zyklus und den Symptomen zu verstehen und auch die Wirksamkeit von Medikamenten besser nachzuvollziehen.
Was ist PMS?
PMS, kurz für prämenstruelles Syndrom, fasst eine Sammlung verschiedener Beschwerden zusammen. Diese sind insbesondere körperlich:
- Wassereinlagerungen
- Schmerzhaftes Spannungsgefühl in den Brüsten
- Schmerzen in Kopf, Gelenken, Rücken und Muskeln
- Verdauungsprobleme wie Verstopfung oder Durchfall
- Heißhungr
- Gewichtszunahme
- unreine Haut
Die Betroffenen fühlen sich außerdem oft niedergeschlagen, erschöpft und sind schneller gereizt.
Was ist PMDS?
Die prämenstruelle dysphorische Störung, kurz PMDS, führt abhängig von den Hormonen zu sehr starken Stimmungsschwankungen. Häufig, aber nicht immer, tritt PMDS ab Ende 20 auf. Seit Januar 2022 steht PMDS al eigene Krankheit im Katalog der WHO.
Zusätzlich zu vielen Beschwerden von PMS leiden Betroffene unter starken psychischen Problemen, die sie in ihrem Alltag, ihren Beziehungen und im Job belasten:
- Depressionen bis hin zu Gedanken über Selbstmord
- stark ausgeprägte Stimmungsschwankungen
- Ängste; das Gefühl von Kontrollverlust
- fehlendes Interesse an Hobbys; Apathie
- starke Konzentrationsprobleme
- Veränderung des Appetits
- Brainfog
- Schlafstörungen
- Antriebslosigkeit